ÜBER MICH

Geblieben ist die Neugierde – gewachsen die Liebe zum Unvollkommenen.

— Die Anfänge —

1997 beendete ich meine Lehre im Fotografenhandwerk, zwei Jahre später legte ich die Meisterprüfung ab. Aus diesem Fundament heraus gründete ich 2002 fotografa, mein erstes eigenes Portraitstudio, in der Lottumstraße in Berlin. 2010 zog das Studio in die Goldleistenfabrik, damals ein Zentrum für kreative Unternehmen. Der tägliche Austausch mit Verlegern, Grafikerinnen und Programmierern hat meinen Blick geschärft: für visuelle Kommunikation – und vor allem dafür, was es braucht, damit zwischen zwei Menschen Vertrauen entsteht.

Diese Frage hat mich nie mehr losgelassen. Seit vielen Jahren fotografiere ich nun schon konsequent Menschen, und je länger ich das tue, desto mehr wollte ich die Menschen verstehen, die vor meiner Kamera stehen. 2022 habe ich deshalb die Ausbildung zum Certified Master Coach abgeschlossen.

 

— Der Wendepunkt in Südafrika —

Diese Suche trieb mich auch auf einen zweiten Weg: 2024 begann ich, als Künstlerin in der Streetfotografie nach Antworten zur menschlichen Existenz zu suchen. In Istanbul faszinierte mich das ungestellte Moment, jener kurze Augenblick, in dem ein Mensch ganz bei sich ist. Im April 2026 reiste ich mit demselben Vorhaben nach Südafrika. Aber ich konnte dort nicht mehr so arbeiten wie zwei Jahre zuvor. Was mir in Istanbul noch selbstverständlich erschienen war, ließ mein inneres Wertesystem plötzlich nicht mehr zu: die „Seelen“ fremder Menschen ungefragt zu stehlen. Mitten in der Arbeit erkannte ich, dass der ungefragte Zugriff eine Integritätsgrenze überschreitet – auch dann, wenn er künstlerisch begründet ist. Rückblickend würde ich sagen, dass ich in Istanbul über eine Grenze gegangen bin, die ich damals noch nicht sehen konnte. Seither zeige ich Street-Fotografie nur noch mit vollem Einverständnis der Menschen, die ich porträtiere. Die Istanbul-Serie selbst habe ich nachträglich bearbeitet, um die Identität der einzelnen gezeigten Menschen zu schützen.

 

— Meine Haltung heute —

Diese Auseinandersetzung mit den Grenzen anderer und meinen eigenen prägt heute mein gesamtes Schaffen. Was als künstlerische Suche begann, ist zu einer Haltung geworden, die von Miteinander, Freiheit und Würde getragen wird. Wahre Präsenz entsteht aus Vertrauen, aufmerksamem Zuhören, präzisem Arbeiten und Raum zur Entfaltung.

Mein Leitgedanke: Tiefe statt Masse.

 

— Warum meine Shootings Raum brauchen —

Meine Arbeitsweise stellt sich bewusst gegen das Übliche. Wenn ich gefragt werde, warum meine Shootings mehr Zeit brauchen, ist die Antwort immer dieselbe: weil Vertrauen keine Abkürzung kennt. Ein gutes Portrait lässt sich eben nicht erzwingen mit Lieferdruck. Deshalb entwickeln wir zuerst ein gemeinsames Konzept, bevor wir überhaupt vor oder hinter die Kamera treten. Manche Portraits von mir werden über viele Jahre eingesetzt, weil meine Kunden sich selbst mögen und die Bilder dann gerne rausgeben. Meistens entstehen diese dann, wenn der Druck abfällt, „liefern zu müssen“. Deshalb schaffe ich einen Raum, in dem Sie sich zeigen können – mit Leichtigkeit und ohne Posen.

Wenn ich heutzutage sehe, wie stark immer noch retuschiert wird, empfinde ich es als leblose Perfektion. Verlernen wir nicht damit unsere Menschlichkeit gegenseitig Wahrzunehmen? Mein Ziel ist das Gegenteil – eine Ästhetik, die wahrhaftig und lebendig ist: ein Bild, in dem Sie als DER Mensch äußerlich sichtbar werden, der Sie innerlich schon lange sind.

Ich lade Sie ein zu einer Begegnung, aus der Portraits von zeitloser Eleganz und natürlicher Präsenz entstehen.


Meine freien Arbeiten finden Sie unter www.tabea-marten.com